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Fragen zur Montessori-Pädagogik
Was ist denn das Besondere an der Montessori-Pädagogik? In der Pädagogik von Maria Montessori steht das Kind in seiner Besonderheit/Persönlichkeit im Mittelpunkt.
Jedes Kind lernt mit seinem eigenen Lerntempo, hat seine besonderen Stärken und Schwächen und auch seine eigenen Lerninteressen. Wenn dies beim Lernen berücksichtigt wird, kann sich jedes Kind optimal entwickeln und wird auch andauernd Freude am Lernen haben. Im Mittelpunkt der Montessori-Schule steht deshalb die Freiarbeit. Was heißt Freiarbeit und worin unterscheidet sie sich vom herkömmlichen Schulunterricht? Die Besonderheit liegt zum einen im individuellen Lernen und zum anderen im spezifischen Montessori-Arbeitsmaterial. In der Freiarbeit wird jedes Kind dort abgeholt, wo es in seiner Entwicklung steht. Jedes Kind lernt aus eigenem Antrieb und aus Neugier, die durch die vorbereitete Umgebung geweckt werden, und geht selbständig einen Lernschritt nach dem anderen. Bedeutet dies, dass ein Kind in der Freiarbeit machen kann, was es will?? Ist Montessori-Pädagogik antiautoritäre Erziehung?? Freiarbeit bedeutet zunächst einmal, dass ein Kind freiwillig eine bestimmte Anstrengung auf sich nimmt. Hat es eine Aufgabe selbstständig gelöst, so stellt sich innere Zufriedenheit ein. Die Lehrerin als Teil der vorbereiteten Umgebung führt das Kind an die Aufgaben heran, die seinem Entwicklungsstand entsprechen. Sie begleitet das Kind bei seiner Arbeit und greift ein, wennes notwendig ist. Freiarbeit setzt ein viel höheres Maß an Disziplin bei den Kindern voraus als das Lernen im traditionellen Klassenunterricht. Die dafür notwendigen Regeln müssen sich Lehrerin und Schüler in den ersten Schulwochen mühsam erarbeiten. Jedes Lernmaterial wird durch die Lehrerin eingeführt, die auch die Kinder bei Leistungskontrollen oder Vermittlung von neuem Stoff zusammennimmt. Aber dann entstehen doch riesige Lernabstände zwischen den Kindern einer Klasse?? Natürlich. Andererseits können auch leistungsschwächere Kinder ihre Aufgaben erfüllen und damit innere Zufriedenheit finden, anstatt durch den ständigen Vergleich mit leistungsstärkeren Schülern im Wettbewerb frühzeitig frustriert und eingeschüchtert zu werden. Und, was wichtig ist, die Kinder werden so sehr früh zu eigenständigem Arbeiten erzogen. Aber wenn jedes Kind in der Freiarbeit selbständig arbeitet, wie kann dann ein gewisser Leistungsstand erreicht werden? Wichtig bei einer Reise ist nicht die Wegstrecke, sondern die Ankunft. Die sächsischen Lehrpläne sind auch für eine Montessori-Schule verbindlich und deren Einhaltung Voraussetzung für die Zulassung als Grundschule. Unsere Kinder werden am Ende der vierten Klasse denselben Wissensstand haben wie Kinder aus einer staatlichen Grundschule. Aber es kann sein, dass Schüler x in der Mitte der dritten Klasse in Deutsch weiter ist als ein Schüler in einer staatlichen Grundschule, aber in Mathe im Stoff zurückliegt. Und Schüler y ist in Mathe weiter und liegt in Deutsch zurück. Hier ist es Aufgabe der Lehrerin, die ihre Schüler genau kennt, den weiteren Weg bis zum Abschluss so zu gestalten, dass auch in Deutsch bzw. Mathe das Lernziel erreicht wird. Ab der dritten Klasse findet außerdem ein Teil des Deutsch- und Matheunterrichtes auch als Fachunterricht in altershomogenen Klassen statt. Auf Bildern ist zu sehen, dass in Ihrer Schule sogar auf dem Teppich gelernt wird! Wieso sollen sich die Kinder denn keine bequeme Arbeitshaltung suchen? Sie knien doch sicher auch nieder, wenn Sie in der Spüle ein Rohr abschrauben. Einige Unterrichtsmaterialien (wie z.B. die numerischen Stangen) würden auch gar nicht auf einen Tisch passen. Wichtig ist nur, dass die Kinder konzentriert arbeiten, die anderen Kinder nicht bei der Arbeit stören und ihr Material immer dahin zurückräumen, wo es hingehört. Lernen denn die Kinder nach den sächsischen Lehrplänen? "Für die inhaltliche Arbeit an unserer Schule gelten die sächsischen Lehrpläne." (Auszug pädagogischesKonzept) Mit welchem Material lernen denn die Kinder in der Freiarbeit? Das Besondere des Montessori-Lernmaterials besteht:
Die Feinmotorik ist in der Regel nicht bei allen Schulanfängern gleich entwickelt. Dann ist es sicher auch nicht sinnvoll, jedes Kind gleich zum Stift greifen zu lassen. Buchstaben können in der Freiarbeit z.B. auch Schritt für Schritt, ausgehend vom Nachfahren von Buchstaben aus Samtpapier und weitere Zwischenschritte zum Schreiben desBuchstabens erlernt werden.
Das Montessori-Lernmaterial "materialisiert" abstrakte Lerninhalte und macht sie so dem Kind zugänglich. Viele Eltern haben sicher mit ihren Kindern in der Grundschule schon folgende Erfahrung gemacht: Es kann prima die Multiplikationsreihen rauf und runter rechnen, aber wenn es eine Sachaufgabe lösen soll, dann weiß es nicht, ob es addieren oder multiplizieren soll. Und wenn es sich um eine Dezimalstelle verrechnet, dann merkt es das auch nicht. Der Übergang vom konkret-anschaulichen Rechnen zum abstrakten Rechnen erfolgt nicht auf Kommando bei jedem Kind in einer bestimmten Kalenderwoche eines bestimmten Schuljahres, sondern istje unterschiedlich. In der Montessori-Schule können Kinder auch in höheren Klassennoch mit konkret-anschaulichem Material rechnen. Das muss nicht heißen, dassdiese Kinder in ihrer Entwicklung zurück liegen. Im Gegenteil: Ein auf dieseWeise selbstständig erschlossenes Lernziel bleibt dauerhaft im Gedächtnis erhalten,im Unterschied zu auswendig Erlerntem. Ein paar Beispiele:
Die unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen ermöglichenjedem Kind, nach seinen eigenen Fähigkeiten zu lernen. Die integrierteFehlerkontrolle gestattet das selbständige Arbeiten. Weiteres Material finden Sie (mit Foto und Beschreibung) u.a. auf der Webseite von Matura. Lernen die Kinder in der Freiarbeit ausschließlich individuell?? Nein. Bei bestimmten Phasen der Stoffvermittlung bzw. bei Leistungskontrollen nimmt die Lehrerin die Kinder einer Klassenstufezusammen. Erhalten die Kinder, wie in anderen Schulen auch, Noten?? In den ersten beiden Klassen schreibt die Lehrerin zur Zeugnisausgabe einen persönlichen Brief an jeden Schüler, in dem dessen Leistung verbal eingeschätzt wird. Dabei geht es nicht darum, ob ein Kind schneller oder langsamer als sein Klassenkamerad ist, sondern es werden folgende Fragen gestellt: Führt ein Kind seine Aufgaben zu Ende? Setzt es sich neue Ziele? Zeigt es bei Aufgaben Zielstrebigkeit? Im Mittelpunkt steht also der individuelle Lernprozess. Ab der dritten Klasse erhalten die Schüler neben Wortgutachten auch Noten. Welche Fächer werden in der Freiarbeit unterrichtet? Und die anderen Fächer? In der Freiarbeit werden Deutsch und Mathematik unterrichtet. Ab der dritten Klasse findet ein Teil des Deutsch- und Mathematikunterrichtes auch im gebundenen Fachunterricht in altershomogenen Klassen statt. Die anderen Fächer werden ausschließlich im gebundenen Fachunterricht erteilt. Wieso sind in der Freiarbeit verschiedene Altersklassen gemischt? Wieso nicht? Wenn die Kinder individuell lernen, dann muss die Gruppe auch nicht altershomogen sein. Die Altersmischung bietet aber auch einige Vorteile. Die Jüngeren werden - wenn sie sehen, mit welchem Material die Größeren bereits arbeiten - zusätzlich motiviert. Die Älteren können den Jüngeren bei bestimmten Aufgaben helfen und müssen so ständig bereits Erlerntes nicht nur rekapitulieren, sondern auch verständlich an Andere weitergeben. Außerdem entwickelt die Altersmischung - wie auch Integrationsplätze - das Entwickeln von Sozialverhalten: Rücksicht nehmen, Hilfsbereitschaft zeigen usw. Und darauf wird in einer Montessori-Schule ganz besonders viel Wert gelegt. Haben Kinder aus Montessori-Schulen Probleme an weiterführenden Schulen? Ja und nein. Die Erfahrungen aus umliegenden Montessori-Schulen zeigen, dass diese Kinder speziell am Gymnasium viel besser mit selbstständigem Lernen klar kommen. Dafür haben sie unter Umständen ein Problem, wenn es nach 45 Minuten klingelt und sie gerade an einer Aufgabe sitzen. Auch der Zwang zum Stillsitzen wird anfangs ungewohnt sein. Im Internet finden Sie weitere Informationen zur Montessori-Pädagogik auf der Seite von Stefan Eigel, oder hier. |
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