St. Martin-Grundschule Zwochau
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Geschichte der Zwochauer SchuleMotto

                                     Zusammengestellt von Jürgen Hey, Grebehna

 

Schulchronik 1884
(Aus der Schulchronik Grebehna v. 11.Jan.1884)

Bevor es in den Gemeinden Schulhäuser gab, wurden die Kinder in den elterlichen Häusern unterrichtet. Es war die Zeit der so genannten Wandelschule. Das Schulzimmer wurde von Hof zu Hof verlegt. Dabei wurde solange in einem bestimmten Hofe Unterricht gehalten, je nachdem wie viele Kinder vorhanden waren, also bei einem Kinde eine Woche bei zwei Kindern zwei Wochen usw. Ein geregelter Wechsel fand insofern statt, als jedes Kind mit 8 Tagen Gestattung der Räumlichkeiten für die Schule berechnet wurde. Dabei hatte der Lehrer freie Kost und Wohnung nebst zehn bis fünfzehn Gulden jährlichen Einkommens. Bald jedoch erkannte man die bei einer falschen Einrichtung herrschenden Übelstände und beschloss deshalb, Schulhäuser zu bauen...

Seit Einführung des allgemeinen Schulunterrichts nach der Reformation (spätestens seit 1550) sind über die Zeit in den hiesigen Dörfern meist mehrere Schulhäuser gebaut worden. Die ersten entstanden in typischer Lehmbauweise mit Strohdach. Zum Schulhaus gehörten damals, zumindest in den größeren Orten, wo sich auch die Hauptparochie befand, noch Scheune, Stall und Bienenhaus – alles von Commune und Kirche gebaut.

In den so genannten „alten Schulen“, die meist Mitte des 18.Jh. (um 1750) entstanden, waren die Lehrer (Präzeptor im damaligen Sprachgebrauch) zugleich Schulmeister und Küster. Es war schwierig, allen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen; viele wurden zum Viehhüten – auch gegen Bezahlung bei anderen Bauern – gebraucht. Die Schulmeister legten daher meist eine lange Sommerpause ein: Von Johanni (Mitte Juni) bis Martini (Anfang November).

Hundert Jahre später, so ca. 1850 herum, wurden in fast allen Gemeinden auf nachdrückliche Forderung der Königlich-preußischen Regierung Merseburg neue größere Schulgebäude errichtet (das Amt Delitzsch kam nach der Niederlage Napoleons 1815 zu Preußen). Im Erdgeschoß befand sich die Schulstube und darüber die Lehrerwohnung; die Hilfslehrer hatten bisher meist nur eine Kammer...

Neben den bestehenden Schulfächern Lesen, Schreiben, Rechnen, biblische Geschichte und Musik, kamen nun neue Unterrichtsfächer wie Turnen, Raumlehre, Handarbeit, Zeichnen, Naturlehre und die so genannte Vaterlandsstunde hinzu. Meist hat es neben der strengen Schulzucht aber auch auffällig viele Kinderfeste und –Belustigungen gegeben!

In der Chronica der Parochie Zwochau wird 1704 vom Beginn eines ersten großen Kirchen, Schul- und Pfarrbaues berichtet. Als erster Schulmeister wird Gottfried Connern erwähnt; ihm kommt 1712 Schulmeister Wilke zu Hilfe...

Nachdem am 6. Juni 1815 Zwochau an die preußische Regierung in Merseburg kam, gab es in den Folgejahren einige Änderungen im Schulsystem, und vor allem forcierte man den Bau neuer, größerer Schulen. Am 20. März 1826 wurde der neue Bau der Schulscheune an Mstr. Jeßnitzen für 188 Taler vergeben, ...“die alte Scheune den 7. April eingerissen. Die neue den 8. May zu bauen angefangen, gerichtet am 12. Juley“...

Zur damaligen Kirchfahrt Zwochau waren nebst Grabschütz die drei Zwochauer Beidörfer Schladitz, Flemsdorf und Ettelwitz gepfarrt, und als Filiale gehörten noch Grebehna und Gerbisdorf dazu, so dass die Parochie (Kirchspiel) im Jahr 1818 um die 781 Seelen begriff..

„Am 1. April 1827 hielt der Landrath eine große Konferenz zwischen Pfarrer, Schulmeister und Gemeinden, worinne die angeregte Accidenzien-Taxe besprochen wurde. Nach angenommenen Vorschlägen und festgesetzten Bestimmungen wurde die neue Accidenzien-Taxe entworfen, von allen Interessenten genehmigt und dazu der hochlöblichen Regierung überschickt, welche sie auch genehmigte und für die Zukunft feststellte.“

Am 1. Januar 1834 wird die Grenzsperre zwischen Sachsen und Preußen nach 16 Jahren aufgehoben. Die geistlichen und Schulstellen sind zu Anfang des Jahres 1834 wie folgt besetzt:

Pastor ist Johann Friedrich Baltzer, seit kurzem in Zwochau, vorher Pastor in Zeuchfeld, Ephorie Freiburg. Bereits seit 1832 in Zwochau ist Schullehrer und Küster Johann Friedrich Reißbach, vorher in Buckau, Ephorie Herzberg; derselbe ist zugleich Küster in Grebehna (1852 ist die Küsterei Grebehna von der Zwochauer getrennt worden – Lehrer Weber) Lehrer Grunicke ist Kinderlehrer der Wandelschule Grebehna und Friedrich Wilhelm Diedicke der Wandelschule Grabschütz. Johann Gottfried Beuche, vorher Kinderlehrer in Wöllmen, ist seit 2. Dez. 1832 Schullehrer und Küster in Gerbisdorf. Noch vor Reißbachs Eintritt wurde auf Antrag der Gemeinde Gerbisdorf der Küsterdienst von Zwochau abgetrennt und mit der Schulstelle von Gerbisdorf verbunden.

Im Jahre 1837 wird die Schule in Zwochau am alten Standort östlich des Kichweges „ganz neu aufgebaut“: Zimmermstr. Fritzsch aus Beesen übernimmt den Bau für 1009 Taler, Sand und Lehmwerfen, Handfröhne und Fuhren nicht mit gerechnet. Die Gemeinde Gerbisdorf will dazu nichts mehr beitragen, weil sie selbst einen Schullehrer hat und die Gemeinde Grabschütz will nur die Hälfte ihrer früheren verhältnismäßigen Beiträge geben, weil sie selbst ein Schulhaus erbaut hat, ebenso Grebehna. Die königliche Regierung und das Ministerium entschieden dahin, dass Gerbisdorf nichts, Grabschütz die Hälfte ihrer früheren Beiträge, Grebehna den vollen Beitrag zu geben habe..

Im Jahre 1836 hatte die Wandelschule in Grebehna aufgehört und man hatte vorerst ein bestimmtes Lokal gemietet. Ab 1843 gab es Bestrebungen zur Aufhebung der Schule in Grebehna und Verbindung derselben mit Zwochau. - Die Grebehnaer schicken ihre Kinder nach Zwochau, Lehrer Föhre ist ohne Beschäftigung, muss aber von der Gemeinde erhalten werden. Plötzlich zog Zwochau seine Versprechungen zurück und Grebehna sah sich genötigt für eine passende Schulräumlichkeit zu sorgen, mehr oder weniger wurde sie aber auch v. d. königl. Regierung dazu aufgefordert. Auf Antrag des Gutsbesitzers Christoph Pönick entschloss man sich nun, ein eigenes Schulhaus zu bauen.

Neue Schule 1847Der Zimmermann und Häusler Heinrich Ebelt aus Grebehna wurde verpflichtet, das Schulhaus mit allem Zubehör für 400 Taler fertig zu stellen, und so wurde 1847 das jetzige (alte) Schulhaus aufgeführt. Neuer Schulmeister wurde der Lehrer und Küster Eduard Weber aus Osmünde, doch die Küsterdienste in hiesiger Kirche versah der Kantor Reißbach in Zwochau bis 1852 (bis zum Tode).

 

 

Auch in Zwochau wird ein neues, größeres Schulgebäude gebaut. Als Baugrundstück erwirbt man dazu einen kleinen Teil des ehemaligen „Safrangartens“ der Pfarre, gegenüber dem Pfarrgarten. An diesem Standort wird 1869 die neue Zwochauer Schule (Roter Bau) errichtet. Im Erdgeschoß befindet sich links ein großes Klassenzimmer und rechts die Lehrerwohnung mit kleiner Küche. Als erste Lehrer werden Bruno Lindner und Emil Kluge erwähnt...

Roter BauDie Zwochauer Schule (Roter Bau) In ihrem Urzustand. Später wurde der Eingang nach links verlegt und man gelangte durch das Klassenzimmer in den Schulbau dahinter...

 

 

 

 

 

52 Schüler besuchen im Jahre 1901 die Schule in Grebehna – die alte Schule „platzt aus allen Nähten“! Deshalb kauft im Frühjahr des gleichen Jahres die Gemeinde 1⁄2 Morgen Land am östlichen Dorfrand von Rittergutsbesitzer Arthur Knüpper für 1.070,- Mark zum Bau einer neuen Schule.

SchulgebäudeDie neue Schule wurde für den Preis von 11.000 Mark von Maurermeister Reiband aus Wiedemar gebaut und am 1.Oktober vom Lehrer und Küster Karl Köhler bezogen. Am 12. Oktober wurde das erste Mal Schule in ihr gehalten.

 

 

 

Laut Verfügung der Königl. Regierung tritt ab 1. Oktober die längst bestehende Verfügung in Kraft, dass in einklassigen Schulen der Lehrer in den Schulvorstand muss. Am 1. Juni 1909 wurde der Lehrer Emil Glock aus Schwarzenberg in das Kirch- u. Schulamt feierlich eingeführt.

Im Juni 1911 wird der Verein für Jugendpflege gegründet. Als erster Vorsitzender wurde Hr. Amtsvorsteher Bruno Petzsche in Schladitz, als zweiter Hr. Pastor Schuster gewählt. Mit dem Schuljahr 1912/13 geht die Schulinspection weg von Golma. Am 31.12.1912 wird Pastor Schuster pensioniert und verzieht nach Halle. Derselbe hatte 20 1⁄2 Jahr treu seines Amtes in Zwochau gewaltet.

„Das Kgl. Konsistorium zu Magdeburg hatte für die erledigte Pfarrstelle den Herrn Archidiakonus Pallas in Herzberg berufen. Der genannte hielt mit seiner Gattin am 10. April nachmittags 1⁄2 2 Uhr seinen Einzug in Zwochau. Er wurde auf dem Pfarrhof von zahlreichen Mitgliedern der kirchlichen Gemeindeorgane und Besitzern aus dem ganzen Kirchspiel und den Lehrern empfangen, auch viele Gemeindeglieder hatten sich eingefunden, ebenso waren die Schulkinder auf dem Pfarrhofe versammelt. Der Kantor Saupe sang mit den Kindern der ersten Klasse ein weihevolles Lied. Hierauf begrüßte der seitherige Pfarrverwalter her Pastor Schaufuß aus Kölsa den neuen Pfarrer namens des Kirchspiels, worauf Her Pastor Pallas dankend antwortete. Der neue Pfarrer wurde sodann in das schön hergerichtete Pfarrhaus geführt und ihm hier als Geschenk des Kirchspiels eine schöne Wanduhr übergeben. An diesem Empfang schloss sich im Roßberger’schen Gasthof ein von der Gemeinde veranstaltetes Mahl, an welchen sich 30 Personen beteiligten. Am Sonntag Jubilate, d. 30.04., wurde sodann im Vormittags-Gottesdienst Herr Pastor Pallas durch Herrn Superintendenten Opitz unter Assistenz des Vorgängers Herrn Pastor Schuster und Pastor Schaufuß feierlich in sein Amt eingeführt...“ Aus d. Kirchenblatt v. 20.04.1913

Lehrer Saupe
Kantor u. Lehrer Saupe aus Zwochau mit Familie

Da die Räumlichkeiten der alten Schule nicht mehr ausreichen, wird der Raum der Jugendpflege auf der Pfarre (Küstereigebäude) ab dem Schuljahr 1920 zum Klassenzimmer.

Am 23.06.1922 wird der Verein für Bewegungsspiele gegründet. Dem Ortsausschuss für Jugendpflege ist es mit Hilfe anderen Beteiligten gelungen, auch für Zwochau einen schönen Spielplatz (Sportplatz) sicherzustellen, der auch bald benutzt werden kann (s.a. Zeitungsausschnitt v. 24.06.22).

Verordnung

In der letzten Schulvorstandssitzung des Jahres 1929 wurde beschlossen, der Regierung als Bauplatz für einen weiteren Schulneubau (2 Klassenräume und 1 Lehrerwohnung), den Platz südlich der „Roten Schule“ im „Safrangarten“ vorzuschlagen. Der finanzielle Zusammenbruch des Reiches bringt 1931 Kassen- und Kreditsperre. Eine langfristige Anleihe ist infolgedessen nicht zu erhalten. Die Unterhandlungen mit Kirche und Konsistorium ziehen sich das ganze Jahr hin. Aus dem sehnlichst erwarteten Schulneubau wird schließlich nichts, aber das Grundstück im Safrangarten wird erworben. Am 1. November1937 wird Zwochau ein Schulort der bäuerlichen Berufsschule, zu dem noch die Orte Grabschütz, Grebehna, Kattersnaundorf, Kölsa und Wiedemar gehören. Neben Hauptlehrer Schlegel erteilt noch Lehrer Burkhardt diesen Unterricht. Der Klassenraum ist in der ehemaligen Jugendpflege auf der Pfarre, weil dort elektr. Licht vorhanden ist. In den Haushaltsplan der Schule sind größere Mittel zur Beschaffung von Geräten eingesetzt, Die vom hiesigen Turnverein übernommenen Turngeräte, welche bisher bei Gastwirt Kohlmann lagen, sind jetzt in einem Schuppen auf dem Sportplatz untergebracht, der zu diesem Zweck mit einem Kostenaufwand von 200 RM erbaut worden ist. In jedem Kreis ist ein Kreissportlehrer eingesetzt worden, es ist dies im Kreise Delitzsch Mittelschullehrer Oberländer.

Um auch bei ungünstigem Wetter, vor allen Dingen im Winter, die Leibeserziehung zu ermöglichen, wird der Saal von Gastwirt Kohlmann, und zwar von den Seiten, mit benutzt, damit der Parkettboden nicht geschädigt wird, es zeigt sich der Mangel einer Turnhalle...

Im Jahre 1938 ist das neue Schul- und Dorfbad eingeweiht worden. Es liegt unmittelbar bei Grabschütz, am Ortsausgange des Dorfes nach Werbelin zu. Diese Lage ermöglicht es, dass es außer für die Orte des Amtsbezirkes (Zwochau, Grabschütz und Grebehna) auch für Kattersnaundorf und Werbelin errichtet werden konnte.

Weihe des Schul- und Dorfbades in Grabschütz am 14. Juli 1938 Bild u. Text von Lehrer G. Schlegel, Zwochau

 

 

 

 

 

 

"Das gesamte Freibad ist von einem geschmackvollen Zaun und von Bäumen eingerahmt. Zwei Räume zum Aus- und Ankleiden sind vorhanden, und ein Stand sorgt nötigenfalls für Erfrischungen. Das ganze Bad ist betoniert, es ist 35 Meter lang und 20 Meter breit und in zwei Teile geteilt, einen für Schwimmer und einen für Nichtschwimmer, an der tiefsten Stelle ist es etwa 3,10 Meter tief. Es faßt ungefähr 1200 Kubikmeter Wasser. Ein Sprungturm mit hohen und niedrigen Sprungbrett ist vorhanden. Das Wasser wird durch eine Rohrleitung aus einem im Dorfe neu gebauten Brunnen zum Bade gepumpt. Dieser Brunnen ist zugleich Feuerlöschbrunnen. Die Anlage ist so eingerichtet, daß im Notfall das Wasser zu Feuerlöschzwecken wieder ins Dorf gezogen werden kann. Die Vorflutverhältnisse sind so, daß es möglich ist, das Wasser zur Erneuerung abzulassen. Die Weihe des Bades am 14. Juli 1938, welche Oberpräsident v. Ulrich vornahm, war eine besondere Festlichkeit für Grabschütz und Umgegend. Kreisamtsleiter Pg. Kurt Petzsche eröffnete als Bürgermeister der Gemeinde Grabschütz den Weiheakt, begrüßte alle erschienen, dankte allen, die an dem Bad mitgeholfen haben, sowie den Stellen, welche die Geldmittel dazu bereit stellten. Oberpräsident v. Ulrich weihte dann dieses erste Schul- und Dorfbad dieser Art in unserer Gegend und übergab es der Bestimmung. Kaum war das letzte Wort verklungen, als ein Junge den ersten Sprung ins geweihte Bad tat. Sein Beispiel fand bei der Jugend schnell frohe Nacheiferung, und auf den Gesichtern aller Zuschauer sah man die erste Freude über das schöne Bad. ...Wenn es vielleicht Zweifler gegeben haben sollte, ob sich das Bad auch eines solchen Zuspruchs erfreuen würde, entsprechend den Aufwendungen, die zu einer solchen Einrichtung nun einmal notwendig sind in einer Gegend, wo es sonst keine Badegelegenheiten gibt, so sind sie durch den äußerst regen Betrieb bereits im ersten Jahre des Bestehens gründlich eines anderen belehrt worden. Dem weitaus größten Teil der Schulkinder des entsprechenden Alters konnte schon gegen Ende der ersten Badezeit das Freischwimmerzeugnis ausgestellt werden."

22.06.1939 – Die in Zwochau und Grabschütz eingerichteten Erntekindergärten bewähren sich sehr gut, es ist eine große Entlastung für die Mütter und für die kleinen eine gute vorschulische Erziehungsstätte.

Ab 01. Okt. 1940 ist die Schulstelle Grebehna aufgehoben, es ist ein neuer Schulverband Zwochau-Grabschütz-Grebehna gebildet worden. Auch Grebehna erhält 1940 seinen Erntekindergarten, dazu wird das alte Gemeindehaus aus- und umgebaut. Es wurde am 15. Juli, noch kurz vor der Ernte eröffnet. Die bisherigen Räume für den Kindergarten in Zwochau waren unzulänglich, nunmehr ist der Kindergarten in der früheren Unterkunft der Mädel des Landdienstes der HJ an dem schönen Dorfteiche untergebracht. Schöne Räume, Ruheraum, Aufenthaltsraum, Waschraum und Küche stehen zur Verfügung, auch ein großer, von einem Zaun umhegter Spielplatz ist vorhanden.

HJ-HeimDas Jugendheim Zwochau südlich der Strasse nach Grebehna war Jugendheim für die Hitlerjugend, Kindergarten und Schule sowie Heim der Pioniere und FDJ...

 

 

 

 

 

 

Im Juli 1944 bekommen unsere Dörfer, wie auch das gesamte Kreisgebiet, umquartierte Berliner Familien, die wegen der Fliegerangriffe bisher in Ostpreußen untergebracht waren. Die Schülerzahl steigt durch die Aufnahme von 52 Berliner Kindern auf über 200!

Weiter Umquartierte aus dem Gebiet Aachen Jülich kommen im Dezember 1944 nach Mitteldeutschland.

Im Februar 1945 treffen Trecks aus Rawitzsch im Warthegau in Zwochau ein - 72 schulpflichtige Kinder müssen zusätzlich betreut werden!

20.04.45 – Einmarsch der Amerikanischen Soldaten, die Kommandantur befindet sich 2 Wochen im Gasthof Kohlmann und ab 05. Mai bei Albert Hörenz (Bauernhaus gegenüber der Gärtnerei Rosche in Flemsdorf)

Schulanfang 1946
Lehrer Burkhardt mit den 54 Schulanfängern des Jahres 1946

Mit Beginn des Schuljahres 1948 sind, nach der Rundverfügung der Regierung des Landes Sachsen-Anhalt, am Anfang des Schuljahres in allen Klassen Elternversammlungen abzuhalten; des weiteren wird die Bildung von Schulelternausschüssen in allen Klassen gefordert. Mit dem Schuljahr vom 29.06.-14.07.1950 werden erstmalig in der 8. Klasse Abschlussprüfungen durchgeführt. Am 1. Okt.1950 ist Lehrer Burkhardt 30 Jahre an der Schule Zwochau tätig!

Mit der Verwaltungsreform von 1952 kommt der westliche Teil des ehemaligen Amtes Delitzsch zum Saalkreis – der übrige Teil bildet den Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig.

Die Schule ist 8-klassig und nimmt ab Sept. 1952 zusätzlich Schüler aus der Gemeinde Kölsa auf. Die Gemeinde Zwochau selbst hat drei getrennt liegende Ortsteile: Zwochau, Grebehna und Grabschütz. Wegen der Klassenraumnot musste die Zentralisierung an 1.09.1953 soweit rückgängig gemacht werden, dass nur noch ein Jahrgang (8.Schuljahr) der Nachbargemeinde Kölsa aufgenommen werden kann. Fehlende Klassenräume, besonders aber deren räumliche Trennung, hemmen nach wie vor das System der Zentralisierung der Schule:

  • 1 Klassenraum im Schulgeb. Nr.5, Hausnr.49 (Roter Bau)
  • 1 Klassenraum, 300m entfernt, im ehemaligen Küstereigebäude (8. Klasse)
  • 1 Klassenraum im Schulgeb. Grebehna (7.Klasse) – 20 Min. Fußweg
  • 2 Klassenräume im Heim der FDJ (Jugendheim - 1 Klassenraum im Vorraum der Kegelbahn

Aus Überlegungen, den Einzugsbereich der Zwochauer Schule auf mehrere Orte zu erweitern, ergab sich insgesamt die Notwendigkeit des Errichtung einer Zentralschule mit wenigstens 8 Klassenräumen. Bis zum Neubau einer solchen Schule und mit der Perspektive, gleichzeitig die Verhältnisse des Kindergartens, der zur Zeit in einer baufälligen Holzbaracke untergebracht ist, zu verbessern, wurde später als Kindergarten dienen sollte.

Im Sept. 1955 konnte das neue Schulgebäude auf dem Gelände des Schulgrundstückes Nr.49 direkt hinter der alten Schule (Roter Bau) mit 2 kleineren Klassenräumen für 72 Schüler, Lehrmittel- u. Schulleitungszimmer sowie Vorhalle übernommen werden. Gegenüber seinem Vorgänger war der Bau in Nord-/Südrichtung ausgerichtet.

Neubau

 

Die Situation am zentralen Schulstandort Zwochau (Grund- und Mittelschule) entspannte sich durch den Neubau nur kurzfristig, denn die teilweise katastrophalen Zustände der anderen Schulräume sind nicht mehr haltbar. Der Bau einer Zentralschule an einem neuen entwicklungsfähigen Standort in der Ortslage Zwochau wurde durch den Einsatz einer Brigade der Bezirksleitung der SED forciert.

Bereits zu Beginn des Schuljahres 1961 wurde der neue Schulkomplex mit zwei Flügeln und 8 neuen, freundlichen und hellen Klassenräumen westlich des FDJ-Heimes an der Strasse nach Grebehna in Betrieb genommen! Da die SED die einheitliche, sozialistische Bildungs- und Erziehungspolitik zum Thema Nr.1 erklärt hatte, war es 1960 zur Bildung der Oberschule Zwochau als Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule mit 10 Klassenstufen gekommen.

Forderungen zur Erhöhung der Wissenschaftlichkeit des Unterrichts durch die Einrichtung von Fachkabinetten sowie die längerfristige Absicherung des schulischen Bedarfs der Gemeinden Zwochau, Lissa, Kölsa und Kattersnaundorf sollten 1965 durch einen Schul-Erweiterungsbau erfüllt werden. Für eine Bausumme von ca. 200,- TMDN wurde im Zuge der Baumaßnahme gleichzeitig die techn. Infrastruktur der Schule erheblich verbessert:

  • Die bestehenden zwei Gebäude mit je 4 Klassenräumen wurden durch 4 neue ergänzt; dazu 2 Vorbereitungsräume, Garderobenräume, 1 Wandelhalle und 2 Lehrertoiletten geschaffen
  • Von Vorteil ist, das sämtliche Gebäudeteile verbunden sind und ein einheitliches Gebäude mit vier Flügeln geschaffen wurde. Durch die zentrale Wandelhalle, die auch als Versammlungsraum benutzt werden kann, und einen zentr. Eingang besitzt, sind sämtliche Gänge durch die Aufsicht leicht zu übersehen.
  • Durch Bau eines Heizhauses und einer Warmwasserzentralheizung wurde die Beheizung des gesamten Objektes vereinfacht und verbessert.

Im Gesamtkomplex werden ca. 270 Schüler von 18 Lehrkräften unterrichtet; für den Schulleiter, Hr. Hackert, wurde ebenfalls 1965 eine Schulleiterwohnung durch Anbau an die alte Schule geschaffen.

1976 wurde mit dem Bau der Kindertagesstätte (Kinderkrippe) Zwochau begonnen. Der Bau dieser zentralen Kindereinrichtung mit Küche und Speiseraum kostete ca. 45.000 Mark.


Kindertagesstätte 1975

1975 bekam die Polytechnische Oberschule Zwochau den Namen des Antifaschisten und Kommunisten Hans Beimler. Der Hans-Beimler-Gedenklauf wurde in den 80iger und 90iger Jahren in Zwochau zur Tradition (Im Bild der Start 1984 auf dem Sportplatz).

Gedenklauf

Aus der „Hans Beimler“ Oberschule Zwochau, mit Schülern des Einzugsbereiches der Dörfer Kölsa, Lissa, Kattersnaundorf, Grabschütz, Zwochau und Grebehna, wurde ab 1991 die Grund- und Mittelschule Zwochau. Die Dörfer Kattersnaundorf und Grabschütz wurden während der Braunkohleförderung im Revier Delitzsch-Südwest 1985 devastiert; die Schüler aus Lissa wechselten Anfang der 90iger Jahre zur Grundschule Kyhna, - so dass nur noch Kinder aus Zwochau, Grebehna und Kölsa die neue Grundschule Zwochau besuchten.

Der Schulbetrieb der Grund- u. Mittelschule (Außenstelle Glesien) Zwochau startete im Schuljahr 1991/92 noch recht hoffnungsvoll mit einem Lehrerstamm von ca. 12 Lehrern für die Klassen 1 – 4 und Hortbetreuung.

LehrerLehrer

Bild links: G. Holschofsky, S. Ryll, K. Triebel,                 Bild rechts: L. Jähner, I. Seidel, G. Kretzschmann,
H. Kasten, I. Kasten, untere Reihe:                                 C. Gronau, H. Totzauer, UntereRreihe: H. Rakete,
B. August (Sekr.), S. Dietrich, M. Ferdini                         K. Labitzke, Hr. Enders, P. Reißhauer

Durch initiativreiche Arbeit und außerschulischen Aktivitäten und Projekte sowie durch intensive Unterstützung der Gemeinde und des Bürgermeister erreichte man kurzfristig ein sehr gutes Grundschulniveau, pädagogisch und von der Ausstattung der Schule. So wurde eine neue Ölheizung installiert, die Sanitäreinrichtungen erneuert und die Fenster und Türen ausgewechselt. Mit Hilfe der Gemeinde konnten sogar Teich und Steingarten angelegt werden, der sich in kurzer Zeit zu einem Feuchtbiotop entwickelte...

Einhergehend mit der Gemeindegebiets- und Verwaltungsreform 1997/98 wurde eine neue Schulgliederung im Landkreis Delitzsch durchgesetzt. Selbst eine starke Elterninitiative und Unterschriftensammlungen konnten den Schulstandort Zwochau nicht halten. Die Mittelschulklassen wechselten nach Glesien; bestätigte Grundschulstandorte wurden Neukyhna, Wiedemar/Wiesenena und Radefeld; Mittelschulen verblieben in Glesien und Zschernitz. Das zentral gelegene Zwochau mit seiner guten Infrastruktur fand keine Berücksichtigung...

Folge war die Schulschließung in Zwochau mit dem auslaufenden Schuljahr 1998/99; als letzte Klassen verließen die 3. und 4. Klasse 1999 die Zwochauer Schule.

Die vorstehende Chronologie der Zwochauer Schule erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Jürgen H e y, 14.02.2004

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Stand: 27.03.07