St. Martin-Grundschule Zwochau
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Sankt Martin

Welches Kind kennt nicht den Heiligen Martin? Und jedes Kind kennt die Geschichte, wie St. Martin seinen Mantel teilt und die eine Hälfte dem armen Bettler gibt. Aber es ist noch viel mehr von ihm überliefert.

Der kleine "Mars"

Martinus wurde um das Jahr 317 in einer Stadt in Ungarn geboren. Du siehst, das ist schon lange her. Sein Vater war dorthin als römischer Offizier versetzt worden. Er trug immer eine glänzende Rüstung und oft funkelnde Waffen. Die Römer, die keine Christen waren, verehrten viele Götter. Der Vater von Martinus verehrte an meisten den römischen Kriegsgott Mars. Nach ihm hatte er auch seinen Sohn benannt. Denn Martinus bedeutet so viel wie "kleiner Mars". Des halb wurde Martinus, der kleine Mars, schon früh dazu bestimmt, ein guter Offizier für den römischen Kaiser zu werden. Martinus begleitete als Junge oft den Vater ins Heerlager, um das Soldatenleben kennen zulernen.

Unter seinen Spielkameraden waren aber auch solche, deren Eltern keine römischen Götter verehrten, sondern Christen waren. Sie erzählten Martinus von Jesus. Das gefiel Martinus sehr. Er wollte auch ein Freund Jesu werden. Aber zu Hause durfte er darüber kein Sterbenswörtchen sagen. Der Vater mochte die Christen nicht.

Mit 15 Jahren musste Martinus auf Wunsch des Vaters Soldat werden. Er kam in die kaiserliche Gardetruppe, die auf Pferden ritt und mit schönen weißen Mänteln bekleidet war. Schon bald war er ein junger Offizier. Die Offiziere hatten alle mehrere Diener, von denen sie sich ganz schön bedienen ließen: Schuhe putzen, die Kleider waschen, das Bett machen, das Essen kochen und auftragen. Nicht so Martinus. Er hatte sich die Geschichte gemerkt, wie Jesus seinen Freunden sogar die Füße gewaschen hatte. So ließ sich Martinus nicht bedienen, putzte seine Stiefel selbst und aß gemeinsam mit seinem einzigen Diener an einem Tisch.

Martinus teilt seinen Mantel

Franziska, 9 Jahre

 

Der Kaiser schickte seine jungen Soldaten nach Frankreich. Eines Tages, als Martinus durch das Stadttor von Amiens ritt, saß dort ein Bettler. Der zitterte vor Kälte, weil er nichts Gescheites anhatte. Spontan griff Martinus nach seinem Portemonnaie. Aber es war leer Da überlegte er nicht lange, sondern schnitt mit seinem Schwert seinen schweren Mantel mittendurch. Die eine Hälfte gab er dem Bettler, damit dieser sich vor der Kälte schützen konnte. In der Nacht träumte Martin: Jesus stand vor seinem Bett. In seinen Händen erkannte Martin die Hälfte seines Mantels. Jesus sagte zu ihm: Martinus, obwohl du noch nicht getauft bist, hast du verstanden, was ich meinen Freunden gesagt habe: »Was ihr dem, der Not leidet, gebt, das habt ihr mir gegeben.« Als Martinus erwachte, nahm er sich fest vor, sich endlich taufen zu lassen und ein Christ zu werden. Der Bischof von Amiens taufte ihn, und die ganze Christengemeinde freute sich. Martinus war jetzt 18 Jahre alt.

Martinus verweigert den Kriegsdienst

Sebastian, 7 Jahre

 

Eines Tages sammelte der römische Kaiser in der heutigen deutschen Stadt Worms am Rhein ein großes Heer um sich. Mit den Soldaten wollte er gegen seine Feinde, die Germanen, kämpfen. Um seine Soldaten kampfesfreudiger zu machen, verteilte er Geschenke unter sie. Jeder Soldat musste vortreten und sein Geschenk in Empfang nehmen. Alle traten vor, nur Martinus nicht. Endlich ging er ganz langsam auf den Kaiser zu und lehnte das Geschenk ab: »Bis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr länger kämpfen und töten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zurück.« Du kannst dir vorstellen, dass es mucksmäuschenstill wurde. Das hatte es noch nie gegeben, das war offener Widerstand gegen den Kaiser. Das konnte Gefängnis und Tod für Martinus bedeuten. Der Kaiser nannte ihn einen Feigling. Martinus antwortete: »Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffe auf den Feind zugehen.« Soweit kam es nicht, weil die Germanen ein Friedensangebot machten. Der Kaiser entließ Martinus aus dem Heer. Der Vater konnte seinen Sohn nicht verstehen und wies ihn in seinem Zorn von sich. Die Mutter hielt zu ihm und wurde später auch eine Christin.

Martinus wird Bischof und will es gar nicht

Plötzlich starb der Bischof aus der französischen Stadt Tours. Es musste ein neuer gewählt werden. Das taten in der Regel die Bischöfe aus den anderen Städten, und die Menschen stimmten zu. Diesmal wollten die Menschen Martinus zum Bischof. Aber das wollten nicht alle Bischöfe. Sie sagten, er sei eine verächtliche Person, so zerlumpt wie er sei. Er sei nicht würdig, Bischof zu sein. Es zählte bei ihnen nicht, was er Gutes tat. Sie konnten sich Martinus im prächtigen Bischofsgewand nicht vorstellen. Da versammelten sich die Einwohner der Stadt zu einer Demonstration. Ich kann mir vorstellen, dass sie gerufen haben: »Wir wollen Martinus als Bischof!« Martinus selber war erschrocken: »Ich. ein Bischof?« Als das Volk näher kam, war er verschwunden. Eine alte Geschichte erzählt, dass er sich in einem Gänsestall versteckt habe. Und die Gänse haben auf ihre Weise für ihn demonstriert. Die Menschen schrien immer lauter: »Martinus soll unser Bischof sein!« Die Bischöfe zerschlugen die Demonstration nicht. sondern achteten den Willen des Volkes. Da widersetzte sich Martinus nicht länger und wurde Bischof von Tours. Aber er wohnte nicht gern im prächtigen Bischofshaus, sondern baute sich wieder einige Kilometer entfernt an einem entlegenen Ort einen einfachen Wohnraum, um immer wieder allein sein zu können. Im Gottesdienst in der Bischofskirche saß er nicht auf dem kostbaren Bischofssessel, sondern auf einem einfachen Hocker. Er wollte nicht Herr, sondern Diener der Menschen sein.

Martinus wird verehrt

Martinus wurde über achtzig Jahre alt. Er starb wahrscheinlich am 8. November und wurde am 11. November beerdigt. Andere wollen wissen, dass er am 11. November gestorben ist. So genau wissen wir das nicht. Seit seinem Tod besuchen die Menschen sein Grab. Sie beten und sagen: »Er war ein großer Freund Jesu, ein großer Diener Gottes. Nun ist er bei Gott. Er hat uns nicht vergessen. Er bleibt uns nahe.« Sein Grab ist in der Kathedrale von Tours in Frankreich. Viele Menschen besuchen es und beten dort. Sein Fest feiern wir jedes Jahr am 11. November. Schon bald wurde er überall verehrt. Viele Kirchen wurden nach ihm benannt, und die Gemeinden verehrten ihn als ihren Schutzpatron.

Martinsbräuche

Was haben nun die Gänse im Martinszug zu suchen? Die Geschichte mit den Schnattergänsen, die Martins Versteck verraten haben, kennt ihr ja. Aber es gibt noch eine andere Geschichte. Vor vielen hundert Jahren gehörte das meiste Land den Fürsten und reichen Klöstern. Die armen Bauern, die für die Besitzer arbeiteten, konnten ein kleines Stückchen Land für sich pachten. Dafür mussten sie bezahlen. Da sie kein Geld hatten, mussten sie mit einer Gans bezahlen. Die war am Martinstag fällig. In einer späteren Zeit hatten die Bauern selber eigene Bauernhöfe. Da schlachteten sie zum Ende der Herbstzeit, wenn alle Arbeit getan war, die fetten Gänse. Das war am Martinstag. Verwandte, Nachbarn und Freunde wurden zum Gänsebratenessen eingeladen. Sankt Martin wurde dabei nicht vergessen. Ein Teil des Gänsebratens wurde an die Armen Dorf verschenkt. Früher begann nach diesen großen und fröhlichen Fest eine Fastenzeit, die bis Weihnachten dauerte. Der Weckmann, die Martinsbrezel oder die Martinshörnchen erinnern daran, wie Sankt Martin an die dachte, die seine Hilfe nötig hatten. Später hat sich daraus der Brauch entwickelt, am Martinstag den Kindern ein Geschenk zu machen. Erst viel später wurden die Kinder am Nikolaustag und noch später an Weihnachten beschenkt. An manchen Orten gab es am Martinstag einen ganzen Korb mit Nüssen und Äpfeln oder einen Korb mit Rüben, in die Geldmünzen gesteckt waren. Aber auch die Erwachsenen schenkten sich Bildbrote. Die Hausfrau schenkte sie allen, die in ihrem Haus arbeiteten, die Paten ihren Patenkindern, die jungen Männer den Mädchen, die sie gern hatten. So war das früher.



 

Sankt Martins Kirche Zwochau
Die Geschichteder Namensweihe

 

Es wird vermutet, dass die Zwochauer Kirche um 1200, durch Anbau eines Kirchenschiffes an einen ehemaligen Wehrturm entstanden ist. Dieser Wehrturm ist wahrscheinlich Teil der Befestigungs- bzw. Sicherungsanlagen der von Halle über Zwochau, Liehmehna nach Eilenburg führenden Salzstraße gewesen. 1525 wurde ein dreiflügliger spätgotischer Schnitzaltar von Stephan Hermsdorf für die Kirche Zwochau geschaffen, dessen Hauptfigur der Heilige Martin bildet. Der romanische Kirchenbau wurde im 17. Jahrhundert im Stile des Barock innen völlig umgestaltet. Die Fenster wurden vergrößert, das alte Portal zugemauert und der Eingang in den Turm verlegt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der Zwochauer Kirche um die „Sankt Martins“-Kirche was durch zwei Fakten gestützt wird:

  • Erstens wurde sie am 19.11.1200 geweiht, d.h. am
    „Sonntag nach Martini“ (Sonntag nach dem Martinstag) und
  • Zweitens ist die Hauptfigur des ehemaligen Altars, der heute in der Landsberger Doppelkapelle steht, der Heilige Martin von Tours. ...
  • Martin benutzt das Schwert, um seinen Mantel für den lahmen Bettler zu teilen...

 

 

 

 

 

 

 

Ausschnitt aus dem Mittelflügel des ehemaligen Zwochauer Altars

Der dreiflüglige spätgotische Schnitzaltar von 1525 wurde im Zuge der barocken Umgestaltung der Zwochauer Kirche entfernt und 1731 durch ein Portikusaufsatz mit den Drachen tötenden Erzengel Michael ersetzt.

1732 kauft Kapellmeister Gaul aus Landsberg den wertvollen Klappaltar für 3 Taler und er gelangt in die Kapelle auf dem Landsberger Burgberg. Von 1838 bis 1861 stand er in einer Nebenapside der Doppelkapelle und ist dann bei der Grundinstandsetzung durch den Preußischen Staat ebenfalls ausgebessert worden. Seit dieser Zeit steht das Triptychon in der Oberkapelle auf einem eigens gefertigten Unterbau an der Südwand.


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Stand: 27.03.07